Freitag, 16. Januar 2009

Kommunikation

Ich verlasse in paar Wochen meinen jetzigen Arbeitgeber und widme mich neuen Aufgaben in einer anderen Firma. Da ich hier neben meiner Hauptaufgabe als Programmierer sozusagen Mädchen für alles war, habe ich hier auch alle Kommunikationseinrichtungen gewartet. Das betraf auch den Server.
Als ich hier angefangen habe, gab es sowas gar nicht. Das Netzwerk bestand aus 3 per 10base2 (BNC) verschalteten Computern. Jeder hatte eine eigene ISDN-Karte, mit der er ins Internet gehen konnte und die Telefonanlage war jämmerlich beschaltet und konfiguriert. meine Aufgaben die ersten Tage bestanden darin, einen zentralen Druck- und Dateiserver aufzubauen und meinen eigenen Rechner ins Netzwerk einzubinden. Letztere Aufgabe war schnell erledigt, da meine Netzwerkkarte schon keinen BNC-Anschluß mehr hatte, haben wir einen BNC-TP-Hub gekauft und paar Patchkabel dazu. Jetzt waren nur noch die weit entfernten Rechner per BNC angeschlossen. Jedoch bei der Sache mit dem Server gab es erste Probleme, denn es stellte sich heraus, daß es nichts kosten darf. Also wurde eine alte Windows 95-Möhre genommen, Drucker angeschlossen, paar Verzeichnisse und den Drucker freigegeben, fertig.
Im Laufe der Zeit wurde festgestellt, daß es sehr schlecht ist, wenn alle Leute einzeln über ISDN (DSL gab es hier zu der Zeit nicht, da Glasfaser-Gebiet) und einen T-Online-Account ins Internet gehen. Ständig war die Telefonleitung zu (klar, bei nur einem einzelnen ISDN-Anlagenanschluß mit zwei b-Kanälen). Also wurde ein zweiter Anlagenanschluß geordert. Dabei wurde aber festgestellt, daß die alte Telefonanlage gar nicht mehr als einen ISDN-Anschluß verwalten kann. Also wurde auch gleich eine neue Telefonanlage bestellt. Die Anlage kam, wurde eingerichtet und bei der Gelegenheit gleich das interne Telefonnetz neu verdrahtet. Den ISDN-Karten wurden entsprechende Ports zugewiesen und da die alle auf einem Bus lagen, konnten nun nie mehr als zwei Leute gleichzeitig ins Netz. Das gab natürlich immer noch Probleme, weil der Chef ganz dringend eine eMail wegschicken mußt, während Kollege 1 irgendwelche Infos im Internet suchte und Kollege 2 gerade eine sehr lange eMail empfing.
Also wurde ein neuer Server gebaut. Diesmal kam Linux zum Einsatz. Aufgabenstellung wie zuvor plus ISDN-Einwahl und Routing. Ich habe dem gleich noch einen Mail-Proxy spendiert, damit das Senden und Empfangen besser vonstatten geht. Außerdem automatisches Bündeln von zwei ISDN-Kanälen, damit man beim Surfen nicht einschläft...
Plötzlich wurde festgestellt, daß die T-Online-Gebühren extrem hoch waren. Kein Wunder, weil der Server fast ständig online war, weil viele Rechner irgendwelche automatischen Updates zogen. Zu dieser Zeit ergab es sich, daß ein Telefonanbieter uns eine ISDN-Internet-Flatrate für wenig Geld anbieten konnte. Wir haben natürlich zugeschlagen und unsere Telefon- und Onlinegebühren pro Monat damit halbiert.
Dann kam ein neuer Laserdrucker, der woanders stehen sollte. Also wurde ein Druckerserver gekauft. Nun gibt es die Dinger aber nicht mehr mit BNC. Also wurde bis zu dem Standpunkt schonmal neues TP-Kabel gezogen und an den alten Hub gesteckt. Paar Tage später war Gewitter und den Hub hat es dabei zerlegt. Mag Zufall sein, ist aber so. Nun gab es aber keine Hubs mehr mit BNC. Also wurde noch einmal ein langes TP-Kabel verlegt und die ganze Netzwerk-Topologie auf TP umgestellt. Neue Hubs wurden gekauft. Lief alles ganz toll.
Ein Kollege verließ die Firma und räumte kurz davor seinen Rechner auf. Nun hatte er irgendwann blöderweise mal eine Verknüpfung auf seinem Rechner mit dem global freigegeben Verzeichnis auf dem Server gemacht. Er hat das nicht bemerkt, geht in das Verzeichnis und denkt sich "Hm. Wieso hab ich denn den ganzen Kram auf meinem Rechner, das haben wir doch auch noch auf dem Server. Also löschen wir das mal."... Der Aufschrei am nächsten Tag muss sehr weit zu hören gewesen sein. Ich hatte einen Monat vorher die Platte im Server getauscht, weil die alte zu klein geworden war, konnte also von dort her noch vieles wieder herstellen. Jedoch waren die Daten der letzten drei Wochen verloren. Also wurde ein REV-Laufwerk für die Datensicherung angeschafft und automatisch täglich gesichert.
Bei dem Platten-Upgrade wurde nicht nur die Platte getauscht. Im Prinzip wurde der komplette Server aus Schrotteilen neu aufgebaut. Dafür aber jetzt mit besserer Hardwareausstattung, zwei identischen Platten (gespiegelt, Software-RAID1), mehr RAM, größeres Netzteil, schnellere CPU. So lief die Kiste bis vor kurzem. Da ich der einzige in der Firma war bzw. im Moment noch bin, der sich mit Linux auskennt, hatte ich unserer Geschäftsführung klargemacht, daß wir einen schönen neuen Server mit irgendeinem Windows brauchen, weil das ja angeblich einfacher zu verwalten ist...
Moral von der Geschichte: Seit Montag steht hier ein nagelneuer, super ausgestatteter Server-Rechner mit Microsoft Small Business Server 2008.
Über meinen Spaß oder Ärger mit dem Teil gibt es dann demnächst etwas zu Lesen...

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